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Suzanne Collins: Die Tribute von Panem X – Das Lied von Vogel und Schlange

Von der bekannten Autorin Suzanne Collins erschien 2020 der vierte Teil ihrer „Tribute von Panem“ Reihe.
Der Titel lautet „Das Lied von Vogel und Schlange“ und die Geschichte spielt rund um die 10. Hungerspiele. Das Buch führt damit nicht direkt die Trilogie weiter, die erst zur Zeit der 74. Hungerspiele beginnt.

Die Hungerspiele sind Wettkämpfe, bei denen zwei Kinder aus jedem Distrikt des Staates Panem in einer Arena gegeneinander antreten und sich bis zum Tod bekämpfen müssen.

Dieser Teil erzählt die Anfänge des Coriolanus` Snow, welcher 64 Jahre später der Herrscher Panems ist.
Mir gefällt dieser Roman sehr, da Collins unglaublich gut schreibt und Wörter ganz leicht in meinem Kopf lebendig werden. Es ist schon etwas her, dass ich die ersten Teile gelesen habe, aber in die Welt konnte ich mich sofort hineinversetzen.

Snow ist im hohen Alter ein absoluter Machtmensch und erscheint kaltherzig. Beim Lesen wird schnell klar, dass Coriolanus vom Charakter her seit jeher die Veranlagung hat andere zu manipulieren und egoistisch zu handeln. Dennoch erweckte er meine Sympathie und er ist einigermaßen selbstreflektierend. Es ist faszinierend wie die Autorin es schafft, dass ich als Leserin einen späteren Massenmörder bis zu einem gewissen Grad verstehen kann.
Die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt und ich wusste oft gar nicht wie ich bestimmte Entscheidungen beurteilen soll, da die scheinbar „Bösen“ menschlich erscheinen und auch nur Gefangene ihrer Weltanschauung und Bildung sind. Man lernt, dass die Kindheit und Jugend sowie die soziale Position erheblichen Einfluss auf das zukünftige Handeln haben, da die Bausteine für den Charakter dort gelegt werden.

Es ist spannend mitzuerleben wie Coriolanus zwischen hochrationalem Denken und Gefühlen hin und her gerissen ist. Bis zum Ende hoffte ich, dass er den Emotionen nachgibt und nicht so hart (zu sich) ist, aber alle, die die ersten Teile kennen, wissen wie es mit ihm endet…

Zunächst war es ein bisschen enttäuschend, dass Katniss und Peeta nicht vorkommen, aber Coriolanus` Geschichte ist genauso fesselnd. Es ist außerdem anregend, da viele Fragen in Bezug auf die Zeit zwischen den 10. und 74. Hungerspielen offen bleiben, was bewirkt, dass ich noch sehr viel darüber nachdenke, was wohl alles noch in Panem passiert ist. Das Leseerlebnis dauert also über das Lesen hinaus an. Ein wärmstens empfohlenes Buch für alle Fans der Trilogie.

Silja

übersetzt von Peter Klöss und Sylke Hachmeister
Oetinger Verlag
608 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-7891-2002-2
€ 26,00

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