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Madeline Miller: Das Lied des Achill

Ich wusste zunächst nicht, was auf mich zukommt, als ich mich entschieden hatte, dass Buch „Das Lied des Achill“ zu lesen, doch schnell habe ich gemerkt, wie gut mir der Roman gefällt.
In dem historischen Roman geht es um den in Ungnade gefallenen Königssohn Patroklos, der ins Exil nach Phthia geschickt wird, wo er, als einer unter vielen, im Hause des Königs Peleus und dessen Sohn Achill zurückgezogen und unbeachtet lebt, bis Achill sich eines Tages seiner annimmt. Die zaghafte Annäherung entwickelt sich zu einer unerschütterlichen Freundschaft und mehr. Zusammen wachsen Achill und Patroklos zu jungen Männern heran. Die Harmonie wird jedoch zerstört, als Paris, ein trojanischer Prinz, Helena aus Sparta entführt und sich die Männer Griechenlands zum Kampf gegen Troja versammeln. Für die Erfüllung seiner Prophezeiung auf Ruhm und Ehre, schließt sich Achill ihnen an. Patroklos – von Angst und Liebe zerrissen – folgt Achill in den zehn Jahre langen Krieg. Doch alles ändert sich, als Patroklos die Initiative ergreift und selbst das Kriegsgeschehen in die Hand nimmt.

„Das Lied des Achill“ von Madeline Miller ist eine interessante Umsetzung der möglichen Liebesgeschichte zwischen dem Halbgott Achill und Patroklos.
Zunächst finde ich die Erzählerperspektive aus Patroklos‘ Sicht sehr interessant, da ich selten eine Geschichte gelesen habe, die ausschließlich von einem männlichen Protagonisten erzählt wird. Durch ihn lernt man nicht nur ihn und Achill besser kennen, sondern auch die Mythologie rund um Troja und dem trojanischen Krieg.

Mir hat der Schreibstil der Autorin sehr gefallen. Er ist einfach, flüssig und kurzweilig – er passt genau zum Roman. Wie der Mythos um Achill und Patroklos endet, ist kein Geheimnis mehr, da sich das Buch auf die Inhalte der Ilias bezieht. Deswegen ist es auch so interessant, wie das Problem, dass Patroklos noch vor Achill stirbt, gelöst ist, da Patroklos der Erzähler bleibt.

Was mir jedoch gefehlt hat, ist eine Schilderung, wie die Welt, in der sich die Figuren befinden, aussieht. Die Geschichte dreht sich fast ausschließlich nur um die Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Männern, wodurch der Rest größtenteils in den Hintergrund rückt. Alles, was Patroklos wichtig ist, ist Achill. Seine Gedanken drehen sich einzig und allein nur um ihn, sodass ein paar Stellen im Buch ermüdend wirken können.

Insgesamt ist der Roman aber eine sehr schön erzählte Geschichte, die mich zum Ende hin sehr mitgenommen hat (auch, wenn man weiß, wie das Buch endet).

Lotte

Aus dem amerikanischen Englisch von  Michael Windgassen
Eisele Verlag
416 Seiten
ISBN: 978-3-96161-082-2
€ 16,99

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