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Siegfried Langer: Das Buch, das dich findet

Bevor Merelies Freundin Alina verschwindet, schreibt sie ihr eine Nachricht über ein Buch, das sie gelesen hat. Ein Buch das in keiner Buchhandlung oder zu finden ist und einige Tage später liegt es auch bei Merelie im Zimmer, ohne, dass sie es gekauft hat. Wird diese Ausgabe ihr helfen ihre verschwundene Freundin wieder zu finden?

Die Idee des Buches ist sehr gut und spannend auch die ganze Handlungsstory ist interessant und hat definitiv potential. Mir hat auch gut gefallen, dass das einfach geschrieben ist und es sich einfach lesen lässt. Ein gutes Buch, um nicht viel nach- und mitzudenken, sondern einfach der Geschichte zu folgen und sich mitziehen zu lassen. 

***Spoilerwarnung***Spoilerwarnung***

Es wurde aber zu detailreich geschrieben, unnötige Nebenhandlungen wurden sehr ausschweifend beschrieben ohne, dass diese wirklich wichtig für die Handlung waren. Dafür hat es mir an Tiefe der Hauptpersonen gefehlt, über Merelie, Elias, Alina und Merelies Großeltern erfahre ich nur ein/zwei Eigenschaften, die den Charakter beschreiben und aus denen ihre ganze Persönlichkeit besteht. Mir ist der Junge mit dem Ladekabel mehr im Gedächtnis geblieben, als die Hauptpersonen und ich habe fast mehr über ihn erfahren in zwei Sätzen als über die anderen im ganzen Buch. 

Elias und Merelie sollen „Grufties“ darstellen die nicht dem Klischee entsprechen, tun es aber doch. Alle haben Vorurteile gegen sie die nicht aufgeklärt werden, dass sie nicht stimmen. Es wird einfach nur gesagt, dass die beidem oft mit bestimmten Vorurteilen zu kämpfen haben. Außerdem besteht die ganze Freundschaft zwischen Merelie und Alina nur aus dem Vorurteil, dass sie oft über den nachdenken und reden würde. Es ist unverständlich warum Alina sich auf einmal an Merelie gewendet hat, die sie vorher blöd fand und sogar beleidigt hat. Der Übergang warum sie sich genau dafür entschieden hat mir Merelie zu reden ist unklar. Über Alina erfährt der*die Leser*in nur, dass ihr Bruder gestorben ist und ihre Mutter nach dem Tod angefangen hat zu trinken. Wie die Beziehung zu ihrem Bruder war, habe ich schon vergessen. 

Merelies Großeltern zeichnen sich darüber aus, dass sie nicht über Merelies Mutter reden wollen und ihr nichts über sie sagen. Meiner Meinung nach ein bisschen wenig dafür, dass sie so wichtige Teile der Geschichte sind. 

Bei Elias Mutter verstehe ich gar nicht warum sie in diesem Buch überhaupt vorkommt, ihr einziger Charakterzug besteht daraus, dass sie Elias, der 17 ist, daran erinnert früh schlafen zu gehen, weil er am nächsten Tag zu „Aldi“ arbeiten muss. Mehr Handlung hat sie nicht.

Die ausgeführten Details haben mir an den richtigen Stellen gefehlt und es gibt einige ungeklärte Fragen. Warum gibt Elias Helmut an Alina ab? Er hat vorher nie mit dem Gedanken gespielt oder sonstiges und gibt ihn ihr sehr überraschend ohne nachvollziehbare Begründung. Was ich mich auch noch Frage ist, ob es Michaela Steinberger und Dolores wirklich gegeben hat oder ob sie eine Erfindung des Buches sind. Unstimmigkeiten gibt es auch bei der Freundschaft zwischen Elias und Merelie, der Grund, der angeben wurde, warum sie sich aus den Augen verloren haben, ist der Tod von Alinas Bruder und die darauffolgende Freundschaft zwischen Alina und Merelie. Zeichnen sich beste Freund*innen nicht eigentlich dadurch aus sich vieles zu erzählen und wenn solche Situationen passieren, darüber geredet wird? Das wurde in dem Fall von Elias und Merelie nicht. Ich verstehe auch den Grund, warum sie eine komplette Kontaktpause hatten, nicht, sie gehen in eine Klasse und sehen sich täglich, warum reden sie da nicht mehr? Am Anfang wird es so beschrieben als wäre die Kontaktverlust zwischen den beiden erst einige Wochen her, zum Ende hin wirkt es aber eher so als hätten die beide Jahre nicht mehr geredet und kennen sich gar nicht mehr. 

Die Gefühle von den Jugendlichen werden kaum beschrieben, als Leser*in kann man nicht in Erfahrung bringen wie sich fühlen, ob sie verzweifelt, enttäuscht oder glücklich sind.

Das Ende wurde auch nur sehr knapp auf wenigen Seiten zusammengefasst. Wie genau das Buch funktioniert habe ich nicht verstanden oder warum es diese Dinge macht. Es wird angedeutet das die Oma auch schon Erfahrung mit dem Buch gemacht hat, allerdings wird die nicht weiter beschrieben, vielleicht wird sich die Möglichkeit für einen zweiten Band offengehalten. Der Opa hat am Ende auch keine Funktion mehr, er sagt nichts mehr, muss aber zwangsweise schon mit dem Buch in Berührung gekommen sein. Wie geht es ihm damit? Was sind seine Gedanken dazu? 

 Insgesamt muss ich sagen, dass mir das Buch leider nicht wirklich gut gefallen hat, obwohl ich die Idee sehr spannend finde aus der man viel herausholen könnte. 

Tabea

Book on Demand
300 Seiten
ISBN 978-3-7519-5100-5
€ 21,99

Gewinnertitel des SERAPH 2021, des Buchpreises der Phantastischen Akademie und der Leipziger Buchmesse

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